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Schnappschuß

Sprachloses in Worte fassen

Zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst hatte die Notfallseelsorge in die Schinkelkirche nach Götterswickerhamm eingeladen. Es ging um die Erlebnisse von Polizei, DRK, Feuerwehr und deren Angehörigen.

Gespannt blickten die Besucher des Gottesdienstes in der Dorfkirche in Götterswickerhamm auf den Raum vor dem Altar. Dort legten Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes einen scheinbar Verletzten auf eine Trage. Dann rollten sie diese durch den Mittelgang der Kirche. Mit starren Mienen verfolgen die Besucher in der Kirche den Weg der Rettungskräfte. Doch es war kein echter Einsatz, sondern nur ein pantomimisches Spiel zur Einstimmung auf den Gottesdienst der Notfallseelsorge.

Der schwere Einsatz

„Heute soll das im Mittelpunkt stehen, was jene Menschen bewegt, die Hilfe leisten”, sagte Pfarrerin Hanke Ibbeken. Und so erzählten Mitglieder von Polizei, Deutschem Roten Kreuz und Feuerwehr von ihren Erlebnissen im Einsatz. „Wir fanden die Frau in der Küche”, berichtet Markus Rissel vom Löschzug Löhnen der freiwilligen Feuerwehr Voerde von einem Einsatz, der ihm besonders nahe ging. Drei Tage lang hatte die ältere Dame nach einem Sturz auf dem Boden gelegen und nach ihrem Mann gerufen. Diesen fand Markus Rissel kurz darauf tot im Schlafzimmer auf. „In solchen Situationen ist es gut zu wissen, dass wir jederzeit auf die Hilfe der Notfallseelsorge zurückgreifen müssen”, meint der Feuerwehrmann.

Doch oft sind nicht nur die Helfer selbst, sondern auch die Angehörigen betroffen. „Wenn mein Mann nachts zu einem Einsatz gerufen wird, kann ich nicht mehr einschlafen”, sagte Steffi Möltgen. Dann gehen ihr immer wieder die gleichen Fragen durch den Kopf: Was ist denn eigentlich passiert? Wie lange wird es dauern? Könnte ihrem Mann etwas passiert sein? „Erleichtert bin ich erst, wenn ich höre, dass er die Garage schließt und weiß, dass er wieder Zuhause ist”, sagt sie.

„Da fehlen einem die Worte”, meinte Pfarrerin Hanke Ibbeken nach diesen Berichten, und griff damit auch das Motto des Gottesdienstes wieder auf. „Wenn die Worte fehlen…” Doch oft, so meint sie, wäre es wichtiger, nach schweren Erlebnissen während des Dienstes jemanden zu haben, der einfach nur zuhört, anstatt nach Antworten und Ratschlägen zu suchen. Jemand, der das erfahrene Leid mit den Einsatzkräften teilt und ihnen durch Solidarität neue Energie gibt. Genau dafür ist die Notfallseelsorge der Kirchen im Kreis Wesel da.

Harfe, Orgel und Posaune

Für die musikalische Unterhaltung der Besucher des Gottesdienstes sorgten Jens Hilger an der Orgel, Elisabeth von Spee mit besinnlichen Harfenklängen und der Posaunenchor Voerde. Nach dem Gottesdienst waren die Gäste noch zu einem gemütlichen Beisammensein in das Gemeindezentrum Götterswickerhamm eingeladen worden. Hier konnte bei belegten Brötchen noch ein wenig über die eigenen Erfahrungen im Einsatz geredet werden.

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