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Schnappschuß

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Der Mythos Niederrhein

Von wenigen Worten nur kann man sagen, sie sind mehr als nur ein Wort. Es sind jene glückhaften Einzelfälle unserer Sprache, in denen sich noch etwas anderes zuträgt als Benennung und Anzeige. Eher geheimnisvollen Lauten gleich entbergen sie bei Gelegenheit ihrer Aussprechung wundersame Empfindungen, zauberische Gesichte und kindheitsvolles Ahnen, kurz: Entrückung und Heimat zugleich.

okkoZu diesen seltenen Ereignissen des Sagens gehört das Wort „Niederrhein”. Nehmen wir uns zum Beispiel vor, heute Nachmittag an den „Niederrhein” zu fahren, so ist dieses Ansinnen von allenfalls untergeordnetem geographischen Belang. Wir lassen uns vielmehr bereits mit der Kundtat jenes einsiedlerischen Idioms gleichsam an einem Seil in die Tiefe eines Märchenbrunnens hinab. Alles, was wir fürchten und lieben, alles, wessen wir gram und froh sind, alles, was uns Beschwer und Behagen ist, alles nehmen wir mit und treffen es dort an. Feuchte und Nebelrot, kiesige Klarheit und warmtrauriges Gänsegrün, Wiesentraum und Posaunenchor, knorrigen Schlag und weiches Wiegen, Bleiben und Rinnen. Alles, was wir sind, ist schon da. Und das bereits im Wort. Ein echter Mythos.

Man und frau bläst

Unser Redaktionsmitglied Marlies Wellmer sprach mit Wilhelm Hülsken, dem bisherigen Vorsitzenden des Posaunenchores Voerde und Horst Füllgraf, dem neuen Vorsitzenden.

huelskenbminiWilhelm Hülsken: “1982 übernahm ich den Vorsitz im Posaunenchor, dessen Ursprünge von der Neukirchener Mission (Schafstege Stockum) kommen, von Wessel Schepers. Er hatte mir 1960 die ersten Töne auf dem Flügelhorn und Tenorhorn beigebracht. Die Übungsstunden fanden damals für mich und andere Jungbläser im Laden des Malermeisters an der Frankfurter Straße statt (heute Sportartikelgeschäft Wulf - Anm.d.Red.) Später bin ich dann zu meinem Lieblingsinstrument, der Posaune gekommen.”

“Das Posaunenspiel habe ich mir selbst beigebracht. Das Instrument, auf dem ich jetzt spiele, habe ich mir von den ersten Löhnen zusammengespart. Ich hüte und pflege es wie meinen Augapfel. Das Musizieren im Posaunenchor ist ein wesentlicher Teil meines Lebens. Ich habe viel Freude am Zusammenspiel im Chor. Besonders mag ich Stücke von Mendelssohn-Bartholdy und Bachchoräle.”

Zu den Menschen gehen: ”Im Gemeindeleben hat der Posaunenchor nach meiner Meinung seinen Platz in erster Linie in den Gottesdiensten, darüber hinaus bei Konzerten und Feiern. Viele von uns verstehen den Posaunendienst auch als Glaubens-verkündigung. Daher finde ich auch wichtig, dass wir auf den Straßen und Plätzen spielen und zu den Menschen hingehen, wie etwa beim Weihnachtsmarkt. Die Ständchen bei Geburtstagen und Hochzeiten führen uns ebenfalls in die Häuser der Leute.”

“Der Posaunenchor ist so etwas wie “eine große Familie”. Zurzeit haben wir 16 aktive Mitglieder, darunter vier Frauen. Neue Leute sind uns willkommen. Nun gebe ich nach 23 Jahren den Vorsitz ab. Natürlich werde ich auch weiter dabei bleiben, denn auch privat pflege ich mein Hobby. Im Urlaub ist der Posaunenkoffer nach Möglichkeit immer dabei. Gern blase ich mal unterwegs in einer Kirche oder wenn sich gerade eine Gelegenheit ergibt.

Was ich mir wünsche? Dass ich noch lange zusammen mit den anderen Posaune spielen kann.”

Neuer Vorsitzender

Horst Füllgraf wurde im Februar 2004 zum neuen Vorsitzenden des Posaunenchors Voerde gewählt, in dem er seit 1995 Mitglied ist. Er berichtet:

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Sein Werdegang: ”Als Jugendlicher war ich schon Ende der sechziger Jahre Mitglied im Posaunenchor meiner Heimatgemeinde Wehlheiden in Kassel. Während der Ausbildungs- und Studienzeit geriet das Instrument dann aber mehr als zwei Jahrzehnte in Vergessenheit. Bis mich eines Tages der damalige Pfarrer in Götterswickerhamm, Peter Diederichs, fragte, ob ich in der Kleinen Domkantorei mitsingen wolle. Blasen war mir jedoch angenehmer als singen.”

Mit der Trompete dabei: “So kam ich 1995 zum Posaunenchor. Seither nehme ich regelmäßig an den Chorproben teil und spiele gerne mit meiner Trompete mit. Als Bläser und in meinem Amt als Vorsitzender fühle ich mich der Tradition verpflichtet. Ich habe in den vergangenen drei Jahren Wilhelm Hülsken schon in seiner Funktion als Vorsitzender unterstützt und kann daher einschätzen, welche Aufgaben auf mich zukommen werden.”

Stock-Wechsel beim Posaunenchor Voerde

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Den Taktstock hat der eine zwar nie in seinem musikalischen Dirigentenleben benutzt, aber trotzdem hatte er seine Musiker stets gut im Griff. Der Neue macht es bisher ebenfalls ohne Taktstock und gut. Der Neue ist Gerhard Friedrich, der seit Oktober 2000 den Posaunenchor Voerde musikalisch führt. Er übernahm die Leitung vom langjährigen Dirigenten Bernhard Bassfeld, der sich nach 41 Jahren aus diesem Amt in den Ruhestand verabschiedete.

Das folgende Gespräch mit Gerhard Friedrich führte das Posaunenchormitglied Horst Füllgraf.

Gerhard, du bist von Kindesbeinen an mit der Musik groß geworden. Wie kamst du zur Musik? “Über meine Mutter, die immer schon musikalisch war und hervorragend singen konnte. Aber auch durch meinen Vater. Er spielte früher Klarinette, später Horn im Blasorchester unseres 900-Seelen-Dorfes.”

Wann hast du dein erstes Instrument gespielt? “In meiner Kindheit hat mein Onkel in der Verwandtschaft häufig Singeabende veranstaltet. Das waren für mich Lichtblicke, die ich noch heute in guter Erinnerung habe. In der Grundschule lernte ich zunächst an der Blockflöte. Die alte Klarinette vom Vater war meine erstes eigenes Instrument. Darauf spielen lernte ich im zarten Alter von 11 Jahren. Damals ging ich in die Sexta, der Klasse 5, des Friedrichgymnasiums in Freiburg.”

Gerhard, deine musikalische Laufbahn der frühen Jahre hast du beruflich zunächst nicht weitergeführt, sondern bist der Klarinette über Jahre, später auch dem Saxophon nebenberuflich treu geblieben. Dabei hast du schon in vielen Gruppen gespielt …. “ja, das fing mit der Tanzband aus meinem Dorf am Kaiserstuhl an, anschließend durfte ich während meiner Bundeswehrzeit im Musikchor der Bundeswehr spielen. Nach meiner Dienstzeit war ich in der Bigband der Musikhochschule Freiburg aktiv. In den letzten Jahren kamen noch einige Saxophon-Quartette hinzu und das Kammerorchester Dinslaken, sowie die Mitwirkung im Chor der Niederrheinischen Musikschule der Stadt Duisburg.”

Wo hört Musik für dich auf? “Wenn sie zu laut ist.”

Hast du dir besondere Ziele für deinen neuen Chor, den Posaunenchor Voerde, gesetzt? “Ja, zwei, die ich sofort nennen kann. Zum einen möchte ich den sogenannten Ansatz der Musiker verbessern. Das ist die Fähigkeit des Bläsers über längere Zeit zu blasen und dabei saubere und gute Töne zu erzielen. Die Mund- und Lippenmuskeln werden verstärkt trainiert. Vielleicht wäre in diesem Zusammenhang eine Verlegung des Übungsabends von Montag auf die Wochenmitte sinnvoll, denn dann hätten wir mit den häufigen Einsätzen an Sonn- und Feiertagen einen gleichmäßigeren Arbeits- und Übungserfolg. Als weiteres Ziel möchte ich, wenigsten einmal im Jahr, mit dem Chor eine konzertante Veranstaltung durchführen, wie wir sie zum 70-jährigen Bestehen unseres Chores in der Kirche Götterswickerhamm hatten.”

Was schätzt du am Posaunenchor Voerde? “Alle Bläser sind musikalisch motiviert und menschlich sehr angenehm. Zur Zeit haben wir eine starke Verjüngung zu verzeichnen. Die zwei jüngsten Mitglieder sind 11 und 13 Jahre alt. Wir sind aber auch weiterhin für jeden jungen Menschen, der Spaß an Trompete oder Posaune hat, offen. Zum Schluss noch ein ganz persönliches Wort: Ich fühle mich seit der Arbeit mit dem Chor und durch alle seine Veranstaltungen auch mit der Gemeinde stärker verbunden. Ich fühle mich in Voerde mehr zu Hause als bisher.”